Loverboy-Veranstaltung löst bei Besuchern Betroffenheit aus

Loverboy-Veranstaltung löst bei Besuchern Betroffenheit aus
Von links: betoffener Vater (Dirk), Bärbel Kannemann und Mercel van Groningen

Ein Loverboy ist ein Wolf im Schafspelz und ein hochgradig gefährlicher Krimineller. Seine Opfer sind junge Mädchen, die manchmal gerade erst elf Jahre jung sind und deren Leben schon zerstört ist, wenn sie Dreizehn werden.

Beklemmende Stille machte sich im PZ der Verbundschule breit, als Bärbel Kannemann, eine Kommissarin a.D, erklärte, was ein Loverboy ist und wie er vorgeht. Sein einziges Ziel ist es, junge Mädchen in die Prostitution zu bringen, um dann mit ihnen viel Geld zu verdienen. Er gaukelt den Mädchen Liebe und Geborgenheit vor. Dinge, die sie im Elternhaus möglicherweise nicht finden. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, dass das Mädchen dem jungen Mann blind vertraut, ändert sich schlagartig der bisher gezeigte Charakter des Mannes. Er wird vom Freund zum Vergewaltiger und zum Zuhälter. Die Mädchen werden geschlagen, unter Drogen gesetzt, und immer wieder vergewaltigt. Dann müssen sie anschaffen gehen. In angemieteten Wohnungen oder Hotelzimmern müssen sie zahlungskräftigen Männern zu willen sein.

“Ich bin ganz sicher, dass es auch hier schon Kontakte gibt”

Loverboy-Veranstaltung löst bei Besuchern Betroffenheit aus
Sozialarbeiterin Daisy Bley bei der Eröffnung der Infoveranstaltung

Das das nicht nur alles Theorie ist, konnte mehr als anschaulich ein betroffener Vater schildern. Und das gibt es nicht nur in den Großstädten. Die ehemalige Polizistin machte einen einfachen Test. Sie fragte in die Runde, wer sich bei Facebook angemeldet hatte. Von den Schülern und Schülerinnen waren es fast alle. Und alle hatten dort mehr als einhundert Freunde. Auf die anschließende Frage von Rudi Geukes, ob es denkbar wäre, dass es Loverboys auch an der Isselburger Schule gäbe, erklärte Kannemann, dass es aufgrund der hohen Zahl von Facebook-User höchstwahrscheinlich schon Kontakte gäbe. Denn gerade dort schreiben gerade junge Mädchen ihren Freunden nicht nur den gerade aktuellen Gemütszustand, sondern geben oftmals auch Anschrift und Telefonnummern preis. Ein Loverboy hat also ein leichtes Spiel, mit jungen Mädchen in Kontakt zu treten. Er kennt dann meist schon deren privaten Hintergrund.

Was war nun der Auslöser der ganzen Aktion an der Verbundschule? Schulsozialarbeiterin Daisy Bley hatte im vergangenen Jahr erstmals von der “Loverboy-Problematik” gehört. Aufgrund der dann gesammelten Informationen organisierte sie in der Verbundschule mit der Klassen 10b eine Projektwoche. Unterstützung bekam sie hierbei von dem Verein “Eilod.de”, deren Gründerin Bärbel Kannemann ist. Im Übrigen gehört auch der betroffene Vater zu Eilod.de. Hinter dem Verein verbirgt sich eine Elterninitiative für Loverboyopfer in Deutschland. Aufgrund der Initiative von Daisy Bley wurden auch verstärkt die überörtlichen Medien, wie etwa der WDR und RTL, auf die Geschichte aufmerksam.

Loverboy-Veranstaltung löst bei Besuchern Betroffenheit aus
Die Klasse 10b, hier ein Teil davon, gestaltete die Projektwoche mit

“Und plötzlich gehörst du ihm”

Am Donnerstag, dem 1.3. nun fand im PZ eine große Infoveranstaltung statt, an der eben Bärbel Kannemann, der betroffene Vater und auch Mercel van Groningen, eine junge holländische Frau, teilnahmen. Mercel van Groningen war selbst Opfer eines Loverboys. Die Erlebnisse während ihrer “Gefangenschaft”, sowie den überaus schwierigen Weg zurück ins normale Leben schilderte sie in dem Buch “Und plötzlich gehörst du ihm”.  An zahlreichen Pinwänden präsentierten die Schüler und Schülerinnen der 10b die Arbeiten der Projektwoche. Anschaulich war dargestellt, wie sich der fast immer gleiche Weg der Mädchen in die Prostitution darstellt. Sehr viele Eltern haben die Infoveranstaltung besucht. Die Projektwoche, die damit verbundenen Zeitungsbericht (s. auch IL-Bericht), das Interesse bei den überregionalen Fernsehanstalten und nicht zuletzt die Tätigkeit von Eilod.de haben für das große Interesse gesorgt. Je größer die Loverboy-Problematik in den Köpfen der jungen Mädchen und vor allem der Eltern ist, umso größer ist die Chance, die Mädchen zu schützen. Das mit dem Bewusstsein gilt übrigens auch für die Behörden. Das betroffene Eltern bei der Suche nach ihren Kindern von den Behörden und hier in erster Linie von der Polizei, allein gelassen werden, ist kaum zu verstehen. Das es aber so ist, konnte nicht nur Bärbel Kannemann als Polizistin a.D, sondern auch der betroffene Vater mehr als deutlich bestätigen. Jetzt, wo das Thema durch die Medien geht, entwickeln auch die Behörden eine gewisse Sensibilität bei dem Thema.

Wie schütze ich meine Tochter?

Wie kann man nun junge Mädchen vor den Gefahren bewahren. Eltern sollten auf jeden Fall dafür sorgen, dass ihre Tochter großes Vertrauen zu ihnen hat. Das Mädchen muss einfach sicher sein, mit all ihren Sorgen und Nöten jederzeit und ohne Vorbehalte zu ihren Eltern kommen zu können. Dem Loverboy ist seine Absicht natürlich nicht an der Stirn abzulesen. Aber es gibt Hinweise, die man auch erkennt, wenn man seine Augen offen hält. Ist der neue Freund der Tochter noch relativ jung, besitzt aber schon ein teures Auto. Hat er viel Tagesfreizeit. Macht er dem Mädchen teure Geschenke. All das könnte darauf hinweisen, dass der junge Mann ein Loverboy ist. Eltern, die auch nur einen kleinen Verdacht haben, ihr Kind könnte in die Fänge eines Loverboy geraten sein, sollten sich umgehen an den Verein Eilod.de wenden.

Daisy Bley hat mit ihrer Initiative und der Unterstützung der beiden Lehrer Wilfried Elting und Rosemarie Hövelmann viel in Bewegung gesetzt. Dies dokumentiert auch das Interesse des Kreises Borken, sowie einiger Verbände und Institutionen an der Isselburger Veranstaltung. Schulleiter Helmut Kottke wünschte sich, dass dies Projekt auch an anderen Schulen zur Aufklärung genutzt wird. Bisher ist die Aktion der Isselburger Schule bundesweit einmalig. Es stellte sich natürlich auch die Frage, wie man den Verein Eilod.de unterstützen kann. In erster Linie natürlich mit Geld, damit Aufklärungsveranstaltungen und vorbeugende Maßnahmen durchgeführt werden können. Helmut Kottke bekräftigte, dass der Erlös des nächsten Weihnachtsbasar ausschließlich und vollständig dem Verein Eilod.de zur Verfügung gestellt wird. Dies ist sicherlich auch für Firmen und Geschäftsleute, aber auch für jeden Bürger nachahmenswert. Denn in fast jeder Familie gibt es eine Tochter, die Opfer werden könnte, oder es vielleicht schon ist.

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