Die Stadt am Scheideweg – Frustration wohin man schaut

Wer kennt nicht das Gefühl der Ohnmacht. Die Welt rundrum scheint einzustürzen und keiner tut was dagegen. Dieses Gefühl ist derzeit bei immer mehr Isselburger Bürgern allgegenwärtig.

Schlägt man die regionalen Zeitungen auf, so jagt eine Hiobsbotschaft die nächste. Was hat sich in den letzten beiden Jahren nicht alles verändert? Die Stadt steht am finanziellen Abgrund. Nach und nach werden wertvolle Immobilien fast zum Nulltarif abgegeben, um den Unterhalt oder kostenintensive Reparaturen einzusparen. Das Anholter Rathaus machte den Anfang, es folgte das Werther Rathaus. Beides sind historische Gebäude, die eigentlich immer ein Teil des jeweiligen Stadtteils waren und bei den Bürgern das Gefühl auslösten, dass es ihnen gehörte. Nun sind die beiden Gebäude in privater Hand.

Die Diskussionen um die Grundschule Heelden/Werth sind ja noch aktuell. Auch da haben die Bürger (Eltern) das Gefühl, dass ihnen alles entgleitet. Sie demonstrieren und sie schreiben Eingaben an die Verwaltung und die politischen Parteien. Immer mehr Bürger fragen sich, ob ihre Wünsche, Sorgen und Nöte überhaupt bei den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung ankommen.

Ganz aktuell stehen nun die Vehlinger Bewohner vor dem Bürgerhaus und fragen sich, ob nun auch das letzte Fleckchen kulturellen Lebens aus ihrer Dorfmitte verschwindet. Kein Laden, keine Schule, keine Kirche und nun bald auch kein Bürgerhaus. Auch da kämpfen die Bürger um ein Gebäude und ein kleines Stückchen Wiese. Die Konsequenz, die die Politik bei den Rathäusern in Anholt und Werth vermissen ließ, legt sie plötzlich bei der Vehlinger Rasenfläche an den Tag. Da fällt den Ratsmitgliedern von CDU, Grünen und FDP  dann plötzlich ein, dass man mit so einem Grundstück ja später doch noch was machen könnte. Mag es daran liegen, dass es “nur” ein Verein ist, der das Bürgerhaus und die angrenzende Grünfläche für den obligatorischen Euro übernehmen will und kein finanzstarker Investor, wie in den Fällen in Anholt und Werth?

Ach ja, der Verein könnte das Grundstück, sollte er Eigentümer werden, beleihen. Sollte sich dann der Verein auflösen, würde das Grundstück an die Bank fallen. Wie drückte sich ein Ratsmitglied aus: “Wenn das eintritt, guckt die Stadt in die Röhre”. Und der Mann hat recht. Nur, als es um die Rathäuser ging, war diese Weitsicht wohl noch nicht vorhanden. Denn auch die Besitzer der beiden Rathäuser werden die Immobilie beleihen. Dann wird in dem Fall, dass der Investor seine finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, auch irgendeine Bank den Daumen auf die Immobilie haben.

Das sich Verwaltung und Politik in meisten Fällen nicht Grün sind, ist ja kein Geheimnis. Aber müssen die beiden Lager diesen Zustand nun immer wieder öffentlich dokumentieren? Nimmt man die letzte Ratssitzung am vergangenen Mittwoch, so muss man sich als Außenstehender schon fragen, ob an den Tischen erwachsene Leute sitzen. Jeder schlägt verbal auf Jeden ein. Beleidigungen und Zurechtweisungen, spöttisches Lächeln und abfällige Gesten, die Sitzung bot alles, was man eigentlich nicht sehen und hören will. Vielleicht ist es bei dem einen oder anderen Sitzungsteilnehmer Profilierungssucht, vielleicht aber auch nur Schwäche. Wie dem auch sei. Momentan bieten viele Mitglieder von  Verwaltung und Politik in vielen Dingen ein jämmerliches Bild.

Womit wir wieder beim ersten Satz dieses Artikels sind. Denn es scheint so, als ob nicht nur Isselburgs Bürger den ganzen Problemen ohnmächtig gegenüberstehen. Auch die handelnden Personen aus Politik und Verwaltung wissen wohl nicht, wie sie den vielfältigen Aufgaben begegnen sollen. Aus dieser Unsicherheit heraus macht sich anscheinend eine wachsende Aggressivität breit. Ein gemeinsames Anpacken, gemeinsame Strategien, eine Zusammenarbeit, ein sich gegenseitiges Ergänzen, all das scheint unmöglich. Aber genau dass wollen die Bürger sehen. Und nur dies ist ja auch zielführend. Die handelnden Personen befinden sich an einem Scheideweg. Sie müssen aufpassen, dass sie nicht gänzlich den bereits ziemlich dünnen Faden zum Bürger durch Inkompetenz, verletzte Eitelkeiten und Ignoranz zerreißen.

Frithjof Nowakewitz

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