
Wie kommt man auf die Idee, rund 450 Kilometer vom portugiesischen Porto über Santiago ins spanische Kap Finisterre zu laufen? Die Idee kam bei der Anholterin Martina Hünting (53) spontan, hatte aber eine lange Vorgeschichte und diente auch einem sozialen Zweck. Den rund 450 Kilometer langen Weg bewältigte Martina Hünting in 24 Tage – die Planung bis zum Start am 1. Mai dauerte ca. ein halbes Jahr.
Vor einigen Tagen hatte Martina Freunde, Unterstützer und auch Weggefährten in den Pfarrsaal in Herzebocholt eingeladen, um von ihrem Jakobsweg – dem Camino – zu berichten. Es war ein Abend für Martina Hünting, der geprägt war von vielen Erinnerungen mit kleinen und großen Begebenheiten, Bildern und vielen Emotionen.
„Ich habe auf meinem Weg viele wunderbare Menschen aus vielen unterschiedlichen Nationen kennengelernt“, meinte Martina Hünting teils sehr bewegt. „Wenn ich dran denke, muss ich schon wieder heulen.“ Von der ersten Idee bis zum Start hatte sich viel entwickelt. In der Zeit der Vorbereitungen hatte sie die Organisation „Charity-Hiker e.V“ und Sven Hardt kennengelernt, die schwerkranke Kinder unterstützen. „Das hat mich tief berührt, deshalb bin ich nicht nur für mich, sondern auch für sie gelaufen“, betonte die Anholterin.

Und dank der Spenden von rund 5.300 Euro, die im Laufe des über den rund drei Wochen dauernden und 450 Kilometer langen Weg zusammengekommen sind, wurde das Ziel auch erreicht. „Mehr als erwartet“, meinte die Anholterin. Wie sie schon vor ihrem Start erklärt hatte, wird ein Teil der Spenden zur Unterstützung von Sven Hardt verwendet. Als Mitglied von der Charity-Hiker e.V. erhält er keine Unterstützung von der Organisation und ist somit auch bei seinen Läufen durch ganz Europa auf Spenden und Sponsoren angewiesen.
Wer ist eigentlich Sven Hardt und warum spielte er in den Gedanken von Martina Hünting eine große Rolle. „Ich nutze meine Reichweite und meine Beine, um auf die Schicksale schwerkranker Kinder aufmerksam zu machen. Jeder Schritt ist ein Signal gegen das Vergessen“, heißt es auf der Website von Hardt, der aus Baden-Württemberg stammt. Mehr darüber gibt es auf seiner Website www.sven-hardt.de zu sehen.
Was nimmt Martina Hünting nun für sich persönlich aus diesem Erlebnis mit? „Der Camino wird mich nie wieder loslassen, ich habe dabei ein Stück von mir selbst gefunden und deshalb werde ich ihn 2027 erneut laufen“, machte die Anholterin deutlich. Auf die Frage, was bleibt, antwortete sie ohne nachzudenken: „Viele Freundschaften, innerer Frieden, Gelassenheit, Ruhe und die Sehnsucht, mich wieder auf den Weg zu machen.“

Die Idee, das Projekt anzugehen, kam schon im vergangenen Jahr. „Im Dezember war mir plötzlich klar, dass ich den Jakobsweg gehen muss“, erzählte die 58-jährige Anholterin. Aber so eine Idee kommt ja nicht aus dem Nichts. „Was den genauen Ausschlag dazu gegeben hat, den Weg zu laufen, kann ich gar nicht genau sagen, weil es sicherlich mehrer Faktoren dazu gibt“, meinte Hünting. Aber es hat wohl auch mit ihrer eigenen Krankengeschichte zu tun. Die 53-jährige Anholterin kam mit einer Hüftfehlstellung zur Welt. Das hatte zur Folge, dass sie nach einer Odysse durch einige Krankenhäuser und vielen Operationen erst mit vier Jahren laufen konnte.
Das sie den Jakobsweg nun im kommenden Jahr erneut gehen will, ist sicherlich auch den vielen Erlebnissen auf ihrer dreiwöchigen Reise geschuldet. „Dann kann ich ihn wahrscheinlich mit dem Wissen von jetzt auch noch mehr genießen und dabei auch wieder zur Unterstützung schwer kranker Kinder beitragen“, sagte Martin Hünting mit ganz unverholemen Tatendrang.

Artikel vom 21. April 2026
