Martina Hünting
Martina Hünting ist startklar. „Gedanklich bin ich schon unterwegs“ (©Frithjof Nowakewitz)

Die 53-jährige Anholterin will trotz einer Gehbehinderung den Jakobsweg laufen. Damit verbunden will sie krebskranke Kinder unterstützen.

Warum jetzt?

Die jetzt 53-jährige Anholterin kam mit einer Hüftfehlstellung (Hüftdysplasie) auf die Welt, die aber erst nach neun Monaten diagnostiziert wurde. Es folgten mehrere Operationen und der Körpergröße angepasste Gipsbetten. „Erst mit vier Jahren konnte ich laufen“, erzählte Martina Hünting. Jetzt lebt sie mit zwei künstlichen Hüftgelenken. Da stellt sich die Frage, wie die 53-Jährige auf die Idee kam, den rund 250 km langen Jakobsweg vom portugiesischen Porto zum spanischen Santiago de Compostela zu laufen.

Kinder- und Jugendzeit mit starken Einschränkungen

Die Kinder- und Jugendzeit bezeichnet die Anholterin als sehr schmerzhaft. Und das nicht nur körperlich, sondern auch mental. Den Kindergarten konnte sie kaum besuchen und auch in der Schule gab es Einschränkungen. An Sportunterricht war nicht zu denken und zu zu den körperlichen Einschränkungen kamen dann auch noch Hänseleien anderer Kinder. „Humpelstilzchen haben sie mich genannt.“ Aber es gab auch Unterstützung. Zu Klassenausflügen organisierte die Lehrerin einen Bollerwagen, in dem sie dann sitzend an den Ausflügen teilhaben konnte. „Dabei hatte ich in der Zeit immer den Gedanken, nicht anders als die Anderen sein zu wollen“, blickt Martina Hünting zurück.

MS-Erkrankter Junge war der Wendepunkt

Die Wende kam, als sie mit 17 Jahre in einem Krankenhaus einen Jungen kennenlernte, der an Multiple Sklerose erkrankt war. Trotz seiner starken Einschränkungen strahlte der Junge eine große Lebensfreude aus. Im Laufe des Krankenhausaufenthaltes verschlechterte sich sein Zustand. „Als er starb war ich die Letzte, die im Krankenhaus bei ihm war“, erzählt Martina. „Das hat mir die Augen geöffnet. Mir wurde bewusst, dass meins ja nur eine Knochenangelegenheit war, an der ich nicht sterben werde“, blickte sie zurück.

Martina Hünting
Mit Rucksack und Pilgertagebuch wird Martina Hünting den Jakobsweg laufen (© Frithjof Nowakewitz)

„Ich bin gut vorbereitet“

Nun begibt sich Martin Hünting auf ein großes Abenteuer – den 250 km langen Jakobsweg. Start ist am 1. Mai. „Was ausschlaggebend dafür war, den Weg zu laufen, kann ich bis heute nicht sagen“, erzählte sie. Im Oktober 2025 war die Idee da. „Du musst den Jakobsweg laufen.“ Es folgte schon am nächsten Tag der Urlaubsantrag und die Buchung des Fluges nach Porto. Angst, dass sie während des Laufes gesundheitliche Schwierigkeiten bekommen könnte, hat sie nicht. In den letzten Monaten blieb meist das Auto stehen und sie ging die Stecken zu Fuß, um zu trainieren. Auch weitere Strecken, wie etwa nach Bocholt oder Rees. Zudem war sie regelmäßiger Gast im Fitnessstudio. „Ich bin gut vorbereitet“. Ihr Reisegepäck besteht nur aus ihrem acht Kilogramm schweren Rucksack mit Kleidung und ihrem Pilgertagebuch.

Es geht auch um einen caritativen Zweck

Die Anholterin läuft den Jakobsweg auch als Spendenlauf. Sie will Spendengeldern für die Behandlung krebskranker Kinder sammeln. In Santiago trifft sie sich mit Charity Hiker Sven (Hardt), den sie im Rahmen der Vorbereitungen kennengelernt hat. Gemeinsam laufen sie ab Santiago noch ca. 100 km nach Kap Finisterre an der spanischen Atlantikküste.

Spenden werden geteilt

Charity-Hiker e.V. ist eine Gemeinschaft, die für schwerstkranke Kinder und deren Familien wandert und dabei Spendengelder generiert. Es werden projektbezogene Spenden gesammelt, die zu hundert Prozent an helfende Organisationen übergeben werden. Sven Hardt darf von dem gemeinnützigen Verein nicht unterstützt werden. Deshalb hat Martina Hünting den Erlös ihres Spendenlaufes zweigeteilt. Die Hälfte geht an Charity-Hiker e.V. zum Zweck der Unterstützung schwerstkranker Kinder. Mit der anderen Hälfte will sie Sven Hardt unterstützen, der seine Full-Time-Spendenläufe aus eigener Tasche finanzieren muss.

Auf den sozialen Medien dabei sein

Wer Martina auf ihrem Jakobsweg verfolgen möchte kann dies auf Instagram, Facebook und Youtube unter dem Stichwort „Martina Schritt für Schritt“ tun. Zweimal täglich will sie von unterwegs ihr Erlebtes posten. Mehr Telefon geht nicht, sie wird dann den Flugmodus aktivieren.

Spendenmöglichkeiten sind unter linktr.ee/martinaschrittfuerschritt oder direkt über den nebenstehend QR-Code einzusehen.