
Von einem kleinen Fleck auf historischen Landkarten zur Stadt, bis hin zu einem lebens- und liebenswerten Dorf. So kann man die Entwicklung von Werth in den letzten 600 Jahren bezeichnen.
Gestern (8.4.) hatte der Heimatverein Werth zu einer besonderen Feier eingeladen. Anlass für das Fest war die Verleihung der Stadtrechte durch Johann von Culemborg am 8. April 1426. Aus dem Anlass wurde am Teppelweg – zwischen Mühle und Heimathaus – ein Baum gepflanzt. Zudem soll ein Findling mit einer Gedenktafel an das Ereignis von vor 600 Jahre erinnern.
Frank Graffe, der Vorsitzende des Heimatvereins, zeigte sich überrascht und erfreut über die vielen Besucher. „Es ist überwältigend, dass so viele Leute da sind. Das ist eben Werth“, meinte Graffe. Er dankte denen, die den Festakt erst möglich gemacht haben, hier besonders dem Leiter des Städtischen Bauhofs Ralf Wolbring mit seinem Team, Christopher Refke und dem Gartenbau Metheling für den Baum, sowie dem Kieswerk Werth für den Findling. Dabei vergaß Graffe auch nicht David Trebbau, der die Tafel für den Findling erstellt hat.

Hobbyhistoriker Johann Radstaak, der sich überaus intensiv mit der Geschichte Werths beschäftigt, bezeichnete die große Anzahl Besucher als grandios. „Auf Werth kann man sich eben verlassen“, meinte Radstaak mit einem Lächeln. Er ging noch einmal auf die 600-jährige Geschichte ein. Dabei stellte er die Frage in den Raum, was Johann von Culemborg wohl bewogen haben mochte, Werth die Stadtrechte zu verleihen. Radstaak bezeichnete Culenborg als „gewieften Taktiker“, der bei der Stadtrechtsverleihung sicherlich auch an Geld gedacht hat.
Die Pfarrei Werth gehörte zu jener Zeit zu Bocholt und musste daher auch Gelder an die übergeordnete Pfarrei bezahlen. „Als Stadt mit einer eigenen Pfarrei und Gerichtsbarkeit musste man das nicht“, erzählte der Hobbyhistoriker der anfügte, dass das den Bocholter überhaupt nicht gefallen hat. So kam es zu einem Parochialstreit, der letztendlich auch durch eine päpstliche Entscheidung in Rom zu Gunsten der Werther entschieden wurde.

Artikel vom 27. Oktober 2025
Bürgermeister Michael Carbanje erklärte in seiner Rede, dass die Verleihung der Stadtrechte den Grundstein für das gelegt hat, was Werth heute ausmacht: ein Ort mit Geschichte, mit Identität und mit einem starken Gemeinschaftssinn. „Was Werth auszeichnet ist die enge Verbundenheit der Menschen mit ihrem Ort.“ Carbanje wies dann auf die anstehenden Festwoche vom 13. bis 20. Juni hin, in der ein umfangreiches Programm für Jung und Alt geplant ist. Dazu gehören sportliche Veranstaltungen, Gottesdienst, Straßenfest und Kinderaktionen, kulturelle Abende, einem Festumzug und einer gemeinsamen Abschlussfeier in der Stadthalle.

Besonders freute sich Michael Carbanje über die Anwesenheit des Bezirksschornsteinfegers Stefan Reineke, der auch in Werth wohnt. „Einmal den Schornsteinfeger berühren bringt Glück“, meinte Carbanje, und berührte mit seiner Hand die Schulter des standesgemäß gekleideten „Kaminreinigers“. „Dieses Glück wünsche ich den Werthern und Wertherinnen für ihren Ort“, meinte der Bürgermeister abschließend. Zwischendurch sorgte die Bläsergruppe des Isselburger Blasorchesters für die musikalische Begleitung.
Im Anschluss wurde durch Michael Carbanje und Frank Graffe der Gedenkstein enthüllt. Danach sollte eigentlich der Baum gepflanzt werden. Allerdings stellte sich heraus, dass entweder das gegrabene Loch dafür zu klein, oder der Baum – ein japanischer roter Ahorn – zu groß war. Aufgrund dieses kleinen Dilemmas wurde der Baum erst später eingepflanzt. Damit war die Veranstaltung aber noch nicht beendet, denn die vielen Besucher standen noch längere Zeit bei Bier und Salzgebäck zusammen, um über dies und das und vielleicht auch über die 600-jährige Geschichte ihres Ortes zu reden.
