
Im Rahmen der „Tage der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe“ stellt sich auch die Wasserburg Anholt vor. Allerdings aus einem ganz anderen Blickwinkel. Dabei spielt Wasser eine große Rolle, denn das ist für die Burg (über)lebenswichtig.
Wasser ist mehr als romantische Kulisse
Wasser prägt die Wasserburg Anholt seit über 800 Jahren – und ist bis heute ihr wichtigstes Fundament. Im Rahmen der Tage der Gärten und Parks in Westfalen-Lippe steht 2026 das Thema „Wertvolles Wasser“ im Mittelpunkt. Die Wasserburg Anholt zeigt dabei eindrucksvoll, warum Wasser hier weit mehr als eine romantische Kulisse ist.

Artikel vom 22. September 2020
Wasser sorgt für Standfestigkeit
Für viele Besucher wirkt die Burg wie ein malerisches Bauwerk, das sich harmonisch in Gräften und Parklandschaft einfügt. Tatsächlich aber ist Wasser ein entscheidender Bestandteil der Konstruktion. Die Burg steht auf einer sogenannten. Holzpfahlgründung: Lange Eichenpfähle wurden tief in den feuchten Boden gerammt und tragen bis heute Mauern und Türme. Entscheidend ist dabei, dass diese Pfähle dauerhaft unter Wasser liegen. Nur so bleiben sie über Jahrhunderte stabil. Sinkt der Wasserstand, gelangt Sauerstoff an das Holz – und der Verfall beginnt unbemerkt. Risse im Mauerwerk oder schiefe Böden sind oft erst späte Warnzeichen. Wasser ist daher kein Nebenaspekt, sondern Voraussetzung für die Standfestigkeit der Burg.
Schutz vor Feinden
Die Lage der Wasserburg Anholt ist kein Zufall. Sie entstand im 12. Jahrhundert in einer feuchten Niederung nahe der Issel, in einer damals politisch umkämpften Grenzregion. Wasser bot gleich mehrere Vorteile: Gräften und überflutete Vorfelder erschwerten Angriffe erheblich, schwere Belagerungsgeräte blieben im nassen Boden stecken, und die Burg konnte wichtige Handels- und Verkehrswege kontrollieren. Gleichzeitig sicherte das Wasser die Versorgung – auch in Belagerungszeiten. Während Höhenburgen oft unter Wassermangel litten, verfügten Wasserburgen über ständig verfügbare Quellen.

Ausgeklügeltes Gräftensystem
Bis heute ist die Burg von einem ringförmigen Gräftensystem umgeben, das auf einem höheren Niveau liegt als der umliegende Landschaftspark. Dieses Gefälle wird durch kaum sichtbare, aber äußerst wichtige Deiche gesichert: den Postwagen, den Bongarts Dyck und den Hoff’schen Dyck. Sie verhindern, dass Wasser aus den Gräften abfließt und halten den für die Burg lebenswichtigen Wasserstand. Die regelmäßige Kontrolle, Wartung und Reparatur dieser Deiche gehört zu den zentralen Aufgaben der Schlossgärtnerei. Unter der Leitung des Obergärtners Lukas Gerten wird hier nicht nur Park- und Gartenpflege betrieben, sondern aktiver Denkmalschutz.
Historische Wasserverläufe fehlen
Über Jahrhunderte wurde der Wasserstand durch natürliche Zuflüsse, Gräben und Stauwehre reguliert. Doch Flurbereinigung, Entwässerung und neue Baugebiete haben viele dieser historischen Wasserläufe verschwinden lassen. Heute muss Wasser teilweise technisch, etwa durch Pumpen, in die Gräften eingebracht werden. Nach europäischem Recht – der EU-Wasserrahmenrichtlinie – müssen diese Maßnahmen vom Eigentümer finanziert werden. Wasser ist damit nicht nur ein historisches Erbe, sondern auch eine aktuelle Herausforderung.

Artikel vom 10. Juli 2024
Wirtschaftsministerin Mona Neubauer besuchte die Wasserburg Anholt
Fundament bleibt unsichtbar
Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich: längere Trockenzeiten wechseln sich mit Starkregen ab. Umso wichtiger wird ein intelligentes Wassermanagement, das historische Prinzipien mit moderner Technik verbindet. Die Wasserburg Anholt steht noch immer nicht trotz des Wassers, sondern wegen des Wassers. Wer sie heute besucht, sieht Mauern und Türme – doch ihr eigentliches Fundament bleibt wegen des Wassers unsichtbar.
| Führungen zu diesem Thema gibt es am Samstag, 13. Juni und Sonntag, 14. Juni, jeweils um 13 Uhr, 14:15 Uhr und 15:30 Uhr. Der Eintrittspreis inklusive der Führung beträgt 12 Euro je Person. |
