
Werner Unland (73), Hannes Geukes (77) und Norbert Bunge kümmern sich um die Steinkauz-Population in dem Bereichen Werth, Wertherbruch, Herzebocholt und Liedern. Ende Mai waren die Werther unterwegs, um an 17 verschiedenen Standorten in dem Bereich die Anzahl des gefiederten Nachwuchs zu ermitteln.
Raffinierte Anordnung schützt vor Feinde
„Insgesamt gibt es in dem Umkreis 17 Nisthilfen. Wir haben dabei 24 junge Kauze und sieben Eier gezählt“, erzählt Werner Unland, der anfügt, dass das eine ungewöhnlich hohe Anzahl sei. Nisthilfen sind selbstgebaute Röhren, die vorne einen Eingang und wenige Zentimeter weiter innen einen versetzt angeordneten zweiten Eingang besitzen. Dadurch können zwar die Kauze ins Innere der Röhre, nicht aber die in der Regel größeren Fressfeinde. „Der Weg vom ersten zum zweiten innenliegenden Eingang ist für andere Tiere zu eng“, erklärt Unland. Eine Ausnahme bilden beispielsweise Hornissen. „Bei einem Hornissenbefall ist der Kauznachwuchs verloren“, meint Hannes Geukes.
Wie kann man nun feststellen, wieviel Kauzkinder oder Eier sich in der Röhre befinden? Am gegenüberliegenden Ende des Eingang ist die Röhre mit einen Deckel verschraubt. Nimmt man den Deckel ab, kann man in die Röhre greifen. „Angst muss man nicht haben, denn die Kauz-Kinder lassen sich ohne Gegenwehr aus der Röhre nehmen und nach dem Zählen auch wieder problemlos reinsetzen“, erzählt Werner Unland. Auch die Elterntiere reagieren nicht aggressiv. So wird die Röhre, wenn sie unbesetzt ist, auch gereinigt.

Aufzeichnungen aus 37 Jahre in einem Notizbuch
Werner Unland zieht ein Notizbuch aus der Tasche. Das ist wohl so eine Art Steinkauz-Bibel, denn darin sind seit 1989 Jahr für Jahr die jeweiligen Standorte der Nisthilfen, sowie die Anzahl des jeweiligen Nachwuchses festgehalten. So kann also nachverfolgt werden, wie sich die Steinkauz-Population in jedem der bislang 37 Jahre entwickelt hat. In diesem Jahr sind es, inklusive der Eier also 31 mögliche Kauzkinder. Allerdings überleben nicht alle. Unland zufolge überlebt im Schnitt ca. ein Drittel der gesamten Brut. „Der große Rest fällt der Natur zum Opfer“, fügt Hannes Geukes an.
Erstaunlicherweise nutzen die erwachsenen Steinkäuze in ihrem gesamten Leben immer die gleiche Niströhre. Ihr Lebensraum erstreckt sich aber auf einen größeren Bereich. Allein schon die Futtersuche für sich und den Nachwuchs erfordert einen größeren Radius. Die Speisekarte scheint jedoch recht eintönig zu sein, denn Unland und Geukes zufolge ernähren sich die Steinkäuze überwiegend von Mäusen. Ohne die Unterstützung des Menschen durch die Nisthilfen leben Steinkäuze in Baumhöhlen, in Mauerritzen oder Scheunen und Ställen.
Kleine Untereinheit des Werther Heimatvereins
Wie sind Werner Unland und Hannes Geukes eigentlich auf die Idee gekommen, sich den Steinkäuzen zu widmen? Ich habe die Aufgabe vor 18 Jahre von Hermann Bröring und Theo Giesing übernommen, die 1989 damit angefangen haben“, erzählt Werner Unland. „Lange habe ich das allein gemacht, bis vor acht Jahre Norbert Bunge und vor sechs Jahre Hannes Geukes dazugekommen sind. Unland und Geukes betonen dabei, eine kleine Untereinheit des Werther Heimatvereins zu sein.

„Wir gehören keinem Verband oder einem anderen Verein an und machen das rein privat“, heißt es von den beiden Werthern. Die Nisthilfen hängen alle in der Nähe von Häusern, beispielsweise in Bäumen von Obstwiesen. Wie Werner Unland betont, begrüßen die Bewohner die Tätigkeit der Werther. „Die freuen sich immer, wenn wir nach dem Rechten sehen und oft werden wir zum Kaffee eingeladen.“
Nachfolger gesucht
Nun sehen sich die Steinkauz-Betreuer mit über 70 nicht mehr als die Jüngsten an. „Wir würden diese Aufgabe, die unheimlich viel Spaß macht, in jünger Hände abgeben“, machen Werner Unland und Hannes Geukes deutlich. Die Tätigkeit beschränkt sich hauptsächlich auf die Monate Mai und Juni. Wer sich also dazu berufen fühlt, oder sich zunächst einfach nur informieren möchte, kann sich unter Telefon 0160-6919665 an Werner Unland wenden.
