Ein Wohnwagen zum Eierlegen

Am vergangenen Sonntag war es endlich soweit: Andreas (41) und Katharina Brauweiler (37) eröffneten an der Alten Bundesstraße 7 in Isselburg (neben dem Ponyhof Leiting) ihren kleinen Hofladen. Und der Clou ist, dass es dort nicht nur Kartoffeln, Zwiebeln, Gurken und Honig aus der lokalen und regionalen Umgebung gibt, sondern auch frische Eier von glücklichen Hühnern vom eigenen Hühnerwagen. Bei der Eröffnung war die ganze Familie dabei.

Ein Wohnwagen zum Eierlegen
V.l.: Heinz Weigel, sowie Josef, Elsbeth, Katharina, Johann, Sophia, Andreas und Paul Brauweiler.

Sätze, wie „wir kaufen nur lokale Produkte“ hört man immer öfter. Obst, Gemüse und Kartoffeln werden jetzt mehr da angeboten, wo die Produkte auch wachsen. Fleisch von Höfen aus der Nachbarschaft wird bei den Konsumenten immer beliebter. Und ja, dieser Trend gilt auch für das Frühstücksei. Eier von glücklichen Hühnern. Die gibt es jetzt bei Andreas und Katharina Brauweiler in Werth. Natürlich weiß niemand, ob Hühner glücklich sind. Auf dem Brauweiler-Hof haben sie aber zumindest die Möglichkeit dazu. Sie leben in einem extra dafür angefertigten Wagen und können tagsüber unter freiem Himmel auf einer Wiese ihr Leben genießen. Und im Idealfall bekommt man dann Eier von glücklichen Hühnern.

Ein Wohnwagen zum Eierlegen
Im Hofladen gibt es Säfte, Kartoffeln, Gurken, Zwiebeln und natürlich auch Eier

Unabhängigkeit und Selbstvermarktung

Wie kommt man nun auf die Idee, sich einen Hühnerwagen anzuschaffen, der ja auch gewisse Voraussetzungen mitbringen muss? Und nicht nur das. Denn auch für den Betreiber eines solchen Wagens gibt es einiges zu beachten. „Wir haben deshalb im vergangenen Oktober einen dreitägigen Lehrgang in Bad Sassendorf besucht, der von der Landwirtschaftskammer veranstaltet wurde“ erzählt Katharina Brauweiler. „Der Grund für das Projekt war, dass wir unsere Produkte selbst vermarkten wollen, um ein bisschen unabhängiger zu sein“. Die Idee dazu gab es schon länger, berichtet Andreas und ergänzt, dass es im April des vergangenen Jahres mit dem Vorhaben konkreter wurde. Möglicherweise hat auch Sohn Paul zur Gedankenfindung beigetragen. „Ich hab oft draußen an der Straße gesessen und von Oma Elsbeth gekochte Marmelade verkauft“, erzählt der 14-Jährige. Informationen über die verschiedensten Formen der Hühnerwagen wurden eingeholt und der Kostenrahmen wurde abgesteckt. Der Entschluss stand dann fest: „Wir machen es“.

Ein Wohnwagen zum Eierlegen

Ein Wohnmobil für 342 Hühner und drei Hähne

Im Februar wurde der Wagen geliefert. Was von außen aussieht wie ein moderner und etwas zu groß geratener Bauwagen beinhaltet innen modernste Technik. Ein Computer steuert die Fütterung, das Einsammeln der Eier per Laufband, das Licht sowie das Öffnen und Schließen der Klappen. Letzteres zu vorher festgelegten Zeiten. Bevor das Federvieh die neue Behausung in Beschlag nehmen konnte, schaute noch das Veterinäramt rein, das nach einer intensiven Prüfung die Erlaubnis zum Betrieb mit Stempel und Unterschrift erteilte. Dem Einzug von insgesamt 342 Hühnern und 3 Hähnen stand nichts im Wege.

Was Laien allgemein nicht wissen ist, dass sich Hühner auf einem Gelände ohne schützende Bäume oder Sträucher instinktiv nie weit von ihrer Unterkunft, entfernen. So können sie bei Angriffen aus der Luft, beispielsweise von Habichten, noch fliehen. Um zu verhindern, dass das von den Tieren genutzte Gelände zu stark beansprucht wird, wird der Hühnerwagen regelmäßig umgestellt. So finden die Tiere immer wieder eine Wiese mit frischen Grün vor.

Nach einer Eingewöhnungszeit im Wagen war es geplant, dass die Tiere am Samstag erstmals draußen ihr Gelände erkunden sollten. „Leider kam nun die vom Kreis angeordnete Stallpflicht dazwischen, so dass die Tiere jetzt erst mal im Wagen bleiben müssen“, bedauern nicht nur Andreas und Katharina, sondern auch der 14-jährige Paul, die 12-jährige Sophia und der 5-jährige Johann. Der eigentliche „Hofladen“ befindet sich in einem neuen Gartenhaus. Hier stehen Kartoffeln, Zwiebeln, Gurken, Eier und auch verschiedene Säfte zum Einkauf bereit.

Fotos: Frithjof Nowakewitz

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