Eklat bei der Vereinsauflösung

Zu Beginn der Versammlung herrschte beim Vorstand noch relativ gute Laune. Das änderte sich aber später
Zu Beginn der Versammlung herrschte beim Vorstand noch relativ gute Laune. Das änderte sich aber später

Eigentlich waren sich alle sicher, dass die Vereinsauflösung von Isselburg activ Marketing (IaM) zügig verläuft. Doch meistens kommt es anders, als man denkt. So auch gestern in der Gaststätte Onstein, in der die außerordentliche Mitgliederversammlung stattfand. Haupttagesordnungspunkt war die Auflösung des Vereins.

Als die Vorsitzende Monika Westerhoff-Boland die Versammlung eröffnete, ahnte noch niemand, dass es im Verlauf der Versammlung ziemlich turbulent zugehen würde. Zunächst gab es durch Geschäftsführer Daniel Lühl einen Rückblick auf das vergangene Jahr. Kassiererin Hannelore Clarendahl schloss sich mit dem Kassenbericht an. Die beiden Kassenprüfer Klemens Hakvoort und Bernhard Hein bestätigten die einwandfreie Kassenführung.

Weihnachtsbäume werden zum Zankapfel

Der Verlauf der Versammlung nahm eine Wendung, als Daniel Lühl verkündete, dass der Vorstand in der vergangenen Woche beschlossen hat, fünfzig Weihnachtsbäume als Weihnachtsbeleuchtung zum Stückpreis von fünzig Euro bestellen zu wollen. Der Grund hierfür sei, so Lühl, die Nachfrage nach den metallenen Bäumchen aus Anholt und Isselburg. Das Vorhaben wurde von Bernhard Hein heftig kritisiert. Man könne als Vorstand nicht so einen Auftrag tätigen, wenn der Verein aufgelöst werden soll. Und die Tatsache, dass augenscheinlich der Heimatverein Anholt und der Heimatkreis Isselburg Geld für den Austausch defekter Glühbirnen erhalten hat, kam bei Annelore Blecking, der Vorsitzenden des Heimatverein Werth, überhaupt nicht gut an. Denn die Werther haben den Austausch der Birnen nach Aussage der Vorsitzenden stets selbst finanziert. Dies gilt, so Klaus Dieter Spaan, auch für den Ortsteil Vehlingen. Überhaupt stand in den folgenden Minuten der Bauamtsleiter im Mittelpunkt der Diskussionen. So war er zwar damit einverstanden, dass die Website des Vereins weiter online bleiben und dass die Seite auch weiter von Daniel Lühl gepflegt werden soll. Spaan lehnte jedoch vehement die Weiterführung mit dem derzeitigen Internetanbieter aus kostengründen ab. “Das bekommen wir bei der Telekom billiger”. Im gleichen Atemzug bestand Spaan darauf, dass die Stadt den Veranstaltungskalender (das Gelbe Heft) übernimmt. Dies ist aus Sicht der Stadt auch verständlich, denn mit der Erstellung des Veranstaltungskalenders und den daraus resultierenden Werbeeinnahmen hat IaM einen großen Teil des Jahresetat gedeckt. Dies Geld würde dann ins Stadtsäckel wandern. Allerdings kann jeder so einen Kalender erstellen und verteilen. Einen Exklusivanspruch darauf hat die Stadt nicht. Daniel Lühl kritisierte dann auch Spann dahingehend, dass die Stadt sich nicht nur die Rosinen rauspicken könne.

Klaus Dieter Spaan sorgte mit einer niveaulosen Bemerkung für Ärger (Archivfoto IL)
Klaus Dieter Spaan sorgte mit einer niveaulosen Bemerkung für Ärger (Archivfoto IL)

Bauamtsleiter sorgt für Eklat

Bauamtsleiter Klaus Dieter Spaan, der einerseits als einfaches Mitglied, aber auch als Vertreter der Stadt anwesend war, kritisierte das Vorhaben, neue Weihnachtsbäume zu bestellen auf das Heftigste. Als aus der Versammlung die Bemerkung fiel, dass die Weihnachtsbaumgeschichte ein “faules Ei” sei, kam von Klaus Dieter Spaan mit Blick auf den Vorstand unüberhörbar der Satz: “Die faulsten Eier sitzen da vorn”. Ab dem Zeitpunkt war die Atmosphäre dann auch ziemlich vergiftet. Dies setzte sich vor allem bei der Frage fort, wer denn die gesetzlich vorgeschriebene Liquidation des Vereins vornimmt. Bernhard Hein schlug dafür die beiden Vorstandsmitglieder Birgit Nagel und Daniel Lühl vor. Aufgrund der Aussage von Klaus Dieter Spaan lehnten beide dieses Ansinnen jedoch ab. Und dies, obwohl Nagel und Lühl sich im Vorfeld schon dazu bereit erklärt hatten. Auch die Tatsache, dass Bernhard Hein aufgrund der umfangreichen Abwicklungsarbeit für eine Aufwandsentschädigung von 500 Euro je Person plädierte, änderte nichts an der ablehnenden Haltung der beiden Vorstandsmitglieder. Die finanzielle Zuwendung für die Liquidatoren lehnte Klaus Dieter Spaan zudem kategorisch ab. “In der Satzung steht, dass der geschäftsführende Vorstand die Liquidation übernehmen muss”, erklärte Spaan. Daniel Lühl konterte mit der Aussage, dass der gesamte Vorstand auch sofort zurück treten könne. Da bereits im Oktober beschlossen worden war, dass die Mitglieder, die bis 2013 ihren Beitrag gezahlt hatten, einen Jahresbeitrag zurückerstattet bekommen und dass das restliche Vereinsvermögen an die Stadt fällt, ist das Nein von Spaan nachvollziehbar. Schließlich geht jeder Euro, der jetzt noch durch den Verein ausgegeben wird, der Stadt verloren. Wobei festzuhalten ist, dass das Geld ohnehin nur zweckgebunden verwendet werden darf. Eine vom Vorstand “verordnete” Pause sollte dann die hochkochenden Emotionen beruhigen.

Nach der Pause, die Klaus Dieter Spaan übrigens dazu nutzte, die Versammlung zu verlassen, ging es dann relativ schnell. Der Vorstand hatte sich zwischenzeitlich beraten und war auch zu einem Ergebnis bekommen. Bernhard Hein kündigte an, dass man sich auf eine teure, aber wahrscheinlich gleichzeitig auch auf die billigste Lösung geeinigt habe. Daniel Lühl verkündete, dass für die Abwicklung der Liquidation zwei Mitglieder gebraucht werden. Beide sollten für die Dauer von einem Jahr hundert Euro je Monat, also jeder insgesamt 1.200 Euro erhalten. Dieser Vorschlag wurde von der Versammlung mit 16 Ja-Stimmen und einer Enthaltung angenommen. Anschließend bat Lühl um Vorschläge aus der Versammlung. Von den Mitglieder meldete sich zunächst niemand. Dann ergriff wieder Bernhard Hein das Wort und schlug erneut Birgit Nagel und Daniel Lühl vor. Beide wurden mit 15 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen von der Versammlung gewählt.

Abschließend erklärte Daniel Lühl, dass der Verein nun aufgelöst und die gesetzmäßig vorgeschriebe Abwicklung gesichert sei. Traurig darüber ist innerhalb des Vorstandes niemand. “Wir sind froh, dass das Thema IaM erledigt ist”. Trotzdem sieht Lühl Licht am Ende des Tunnels, was die weiteren Aktivitäten betrifft. In Alt-Isselburg und in Anholt gibt es Initiativen, die sich um das Stadtfest und den Adventsabend in Isselburg, sowie den Adventsmarkt in Anholt kümmern. Und die Heimatvereine und der Kulturring kümmern sich ortsteilübergreifend um die Kulturtour.

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