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Am vergangenen Montag fand im großen Pfarrsaal am Münsterdeich die KAB-Veranstaltung "Bürger fragen - Politiker antworten" statt. Der Titel suggeriert, dass es eine Frage-Antwort-Veranstaltung werden sollte. Mangels vorhandener Bürger entwickelte sich die Veranstaltung aber eher zu einem Monolog der einzelnen Politiker.

Thema der Veranstaltung war im Ganzen der Demografische Wandel, der ja bekanntermaßen auch vor Isselburg nicht halt macht. Die Thematik ist vielschichtig, denn sie betrifft alle Generationen. Fakt ist, dass ältere Menschen in der Anzahl zunehmen und die auch immer älter werden. Im Gegensatz dazu nimmt die Zahl der jungen Menschen immer mehr ab. Einig war sich das politische Forum, dass aus Bürgermeister Rudi Geukes, Dr. Theo Beine (SPD), Uwe Übelacker (Grüne), Frank Häusler (CDU) und Hermann Gebbing (FDP bestand, darin, dass das Thema nicht nur ein politisches ist, sondern dass sich der Demografische Wandel zu einem gesellschaftlichen Problem entwickelt.

wagner_richter_berichtDie Moderatorin des Abends, Theresia Wagner-Richter (Foto links) aus Aldekerk, begrüßte zunächst die alle Anwesenden und fragte die Politiker nach dem für sie wichtigsten Thema des laufenden Jahres. Für Bürgermeister Geukes war die Schulentwicklung das Thema schlechthin. Bekanntermaßen soll die derzeitige Verbundschule in eine Sekundarschule umgewandelt werden. Hierzu sei es erforderlich, so der Bürgermeister, dass sechzig Schüler ab dem Schuljahr 2014 in der Schule angemeldet werden. Wird diese Zahl nicht erreicht, wird die Schule geschlossen. Die Anmeldezahl hängt wie ein Damoklesschwert über die Schule und damit auch über Isselburg. Denn Isselburg ohne eine weiterführende Schule wäre kaum vorstellbar. Die Konsequenz daraus wäre nicht nur die Tatsache, dass alle Kinder ab dem fünften Schuljahr in Schulen nach außerhalb fahren müssten, sondern auch, dass Isselburg auf Dauer ausbluten würde. Die Kinder und Jugendlichen würden in ihrem Schulort neue Freundschaften knüpfen, würden dann vielleicht auch in Vereine gehen, die nicht in Isselburg sind. Kurz gesagt: Der Lebensmittelpunkt der Schüler würde sich langsam aber sicher von Isselburg nach außerhalb verlagern. Dies wäre ein Szenario, an dass derzeit noch niemand denken mag. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es so eintritt, ist nicht von der Hand zu weisen. Hierin waren sich die Politiker einig. Sie appelierten gemeinsam an die Eltern, die ihre Kinder für das kommende fünfte Schuljahr anmelden müssen, dies in Isselburg zu tun. Die Grundlagen hierfür hat die Schulleitung und das Lehrerkollegium in den letzten Monaten geschaffen. Denn viel hat sich unter der neuen Leitung von Oliver Tornow zum Besseren gewandelt. Die Schule stellt sich jetzt als Leistungsstark, offen und modern dar.

Demografischer Wandel bietet Möglichkeit zu positiven Veränderungen

Für Rudi Geukes bietet der Demografische Wandel aber auch die Möglichkeit, Dinge zum Besseren zu verändern. Vor allem im Bereich des Sports. Denn der zahlenmäßige Schwund des Nachwuchses bringt immer mehr Vereine in Schwierigkeiten. Viele Jugendmannschaften können vereinsseitig mangels Nachwuchs schon nicht mehr gebildet werden. Um den Mannschaftssport auch weiterhin betreiben zu können, sind die Vereine gezwungen, Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen einzugehen. Dies wird mittlerweile bereits bei einigen Vereinen praktiziert.

Dieses Problem macht aber auch nicht vor den politischen Parteien, oder der Feuerwehr halt. Überall fehlt es an Nachwuchs. Theresia Wagner-Richter brachte es auf den Punkt. Früher waren Frauen mit 25 Jahren soweit ein Kind zu bekommen. Dies hat sich in den letzten Jahren um zehn Jahre nach hinten verschoben. Heute kommt der Nachwuchs auf die Welt, wenn die Mama 35 Jahre oder älter ist. Das bedeutet, dass es früher innerhalb von einhundert Jahren vier Generationen gab. Jetzt sind es nur noch drei. Und da es immer mehr Familien gibt, die, aus welchen Gründen auch immer, kinderlos bleiben wollen, wird sich die Zahl der Geburten dramatisch nach unten verändern. Statistiken besagen, dass die Bevölkerungszahl in Deutschland innerhalb der nächsten neunzig Jahre um rund zwanzig bis dreizig Millionen sinkt. Und die dann lebenden Menschen sind zu mehr als fünzig Prozent älter als 65 Jahre. Theo Beine machte mit einem Satz deutlich, was auch an Isselburg nicht vorbei geht: "Die Gesellschaft vergreist".

 



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