Bei der gestrigen Tagung des Ausschuss für Jugend, Schule, Sport, Kultur, Soziales (JSSKS) war unter anderem auch die Gründung einer Ersatzschule ein Thema. Dazu hatte die Verwaltung drei Gastredner eingeladen, die sich mit dem Thema bestens auskennen.

Dies waren Rechtsanwalt Jan-Bernd Wolfering aus Düsseldorf, der seit 25 Jahre die Gründung von Privatschulen begleitet, sowie Martin Nienhaus und Ulrich Falk. Beide haben zusammen mit Wolfering die Euregio-Realschule in Kranenburg auf den Weg gebracht. Nienhaus, Vorsitzender des Fördervereins  und Falk als Schulleiter berichteten darüber, dass Kranenburg in Konkurrenz zu den starken Schulstandorten Kleve und Nimwegen steht. Nach dem Aus der dortigen Hauptschule war man sich darin einig, dass eine Stadt ohne weiterführende Schule allmählich zur "Schlafstadt" verkümmert. Also startete man dort den Versuch, eine Privatschule zu gründen. Hierzu holte man sich dann auch Jan-Bernd Wolfering als Rechtsbeistand ins Boot. Einig war man sich auch darin, dass man eine Schulform braucht, die es in absehbarer Entfernung noch nicht gibt. Heute verfügt Kranenburg über eine zweizügige Realschule. Bilingual, also Zweisprachig wäre angesichts der Grenznähe hier in Isselburg sicherlich eine Möglichkeit. Dies war auch das Alleinstellungsmerkmal für Kranenburg.

Politik muss an einem Strang ziehen

Das dies ein langer Weg wird, machten die drei Herren im Ausschuss mehr als deutlich. "Man braucht ein Gebäude, Lehrer, Schulleitung, Banken und ein paar Verrückte", erklärte Martin Nienhaus. Aber die Drei sind sich auch ziemlich sicher, dass die Gründung einer Ersatzschule auch in Isselburg gelingen kann. "Das Wichtigste dabei ist, dass die Politik an einem Strang zieht", erklärte Nienhaus und ergänzte, dass die Eltern eine Ersatzschule wollen, wenn die Bedingungen stimmen.  Das dies auch in Isselburg so ist, hat die Elternbefragung durch Isselburg21 gezeigt.

Kinder sind Kunden

Zunächst muss ein Förderverein gegründet werden. Auch hier sei wichtig, so Martin Nienhaus, dass jede Fraktion dabei vertreten ist und ergänzte, dass auch Leute aus dem Unternehmerbereich dazu gehören. "Eine Privatschule ist ein Wirtschaftsunternehmen". Rechtsanwalt Wolfering betonte, dass die Keimzelle für eine Privatschule die Elternschaft ist, die ihre Kinder 2020/2021 in eine weiterführende Schule schicken wollen. "Die wollen nicht ihr Kind jeden Tag stundenlang im Bus in die Nachbarstädte und wieder zuürück fahren lassen, sondern wollen ihr Kind hier vor Ort beschulen lassen". Hinzu kommen die vielen Eltern der Kinder, die jetzt noch im Kindergarten sind.  Bei denen stellt sich irgendwann auch die Frage, ob sie ihr Kinde lieber vor Ort in gewohnter Umgebung mit den gemeinsamen Freunden einschulen wollen, oder eben nicht. Grundlage für diese Entscheidungsfindung der Eltern ist vor allem die Qualität der Schule. Martin Nienhaus wies darauf hin, dass Kinder und Eltern Kunden einer Schule sind. Stimmt die Qualität, fällt die Entscheidung der Eltern zu Gunsten der Schule viel leichter.

Sind sich die Fraktionen einig?

Dies bekräftige auch Ausschussmitglied Stefanie Krause. "Wir haben keine andere Chance und wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg". Im Prinzip sind sich CDU, FDP und Grüne darin einig, diesen Weg beschreiten zu wollen. Einzig SPD-Chef Theodor Beine steht der Sache skeptisch gegenüber. Allerding konnte man den Eindruck gewinnen, dass Beine innerhalb der SPD-Fraktion diese Skepsis exklusiv für sich allein hat. Er machte aber auch deutlich, dass er die Meinung der übrigen Fraktionsmitglieder akzeptieren würde. Warum Beine diese Vorbehalte hat, wollte er zudem nicht erklären.

Isselburg21 sieht sich bestätigt

Als Zuhörer waren einige Mitglieder von Isselburg21 anwesend, die sich durch die Ausführungen von Jan-Bernd Wolfering, Martin Nienhaus und Ulrich Falk in ihrem Bemühen, eine Privatschule auf den Weg zu bringen, bestätigt sahen. "Es war gut, dass die drei Herren mit ihren Erfahrungen hier gesprochen haben und im Grunde das bestätigten, was wir immer gesagt haben", erklärten Dr. Andreas Paschkert und Dietmar Spreu nach der Sitzung.

Foto/Montage: Frithjof Nowakewitz