In Isselburg fehlt ein Kinderarzt oder eine Kinderärztin. Das will die FDP nun ändern. In der Sitzung des Ausschuss für Jugend, Schule, Sport, Kultur und Soziales am vergangenen Mittwoch (4.2.) war das ein Diskussionsthema.
Bemühungen um kassenärztliche Zulassung eines Kinderarztes
In der Begründung der Freien Demokraten hieß es, dass die „kinderärztliche Versorgung der in Isselburg lebenden Kinder von Kinderärzten in umliegenden Städten und Gemeinden durchgeführt wird. Dabei sind kurze Wege gerade bei den Kleinsten in unserer Gesellschaft besonders wichtig.“ FDP-Fraktionssprecher Kevin Schneider hatte in der schriftlichen Begründung formuliert, dass der Versorgungsgrad im Kreis Borken zum 24.11.2025 bei 113,5 Prozent liegt. Daher müsse die Bemühung ebenfalls darauf gerichtet sein, für die Ansiedlung eines Kinder- und Jugendarztes in Isselburg eine kassenärztliche Zulassung zu erhalten. Hierzu sei ein enger Kontakt mit der KVWL wichtig, um praxisgerechte Möglichkeiten zu erarbeiten, zum Beispiel auch durch einen Nebenstandort.

Artikel vom 5. Mai 2024
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Förderrichtlinien auf Fachärzte erweitern
In der einsetzenden Diskussion stellte sich dann allerdings heraus, dass das Unterfangen von den Ausschussmitglieder durchaus differenziert gesehen wird, was die realistischen Möglichkeiten betrifft. Grünen-Sprecher Uwe Übelacker machte deutlich, dass der Einfluss der Stadt bezüglich der Ansiedlung von Fachärzten eher gering ist. „Man kann nur hoffen, dass es da Möglichkeiten gibt“, meint Übelacker. Dazu regte er an, die Förderrichtlinien, die eine Förderung von 50.000 Euro je neu anzusiedelnde Arztpraxis vorsieht, nicht nur auf Allgemeinmediziner zu beschränken, sondern auf Fachärzte zu erweitern. Die FDP hatte in ihrem Antrag die Erweiterung lediglich auf Kinder- und Jugendarztpraxen bezogen.
Ansiedlung faktisch nicht realisiertbar

SPD-Sprecherin Kerstin Hebing bejahte die Ansiedlung eines Kinderarztes. „Für junge Eltern sind kurze Wege, Verlässlichkeit und Kontinuität von großer Bedeutung“, machte Hebing deutlich. Aber sie mahnte seitens der Politiker auch Ehrlichkeit an. „Die Ansiedlung eines Kinderarztes oder Kinderärztin ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen faktisch nicht realisierbar“, erklärte die SPD-Sprecherin. Dazu wies sie darauf hin, dass die Versorgung im Kreis Borken bei über 130 Prozent liegt. „Damit gilt der Kreis Borken als überversorgt“, argumentierte Kerstin Hebing. Die Alternative wäre Hebing zufolge nur eine privatärztliche Versorgung, die aber von den meisten Familien nicht zu finanzieren wäre.
Hebing will keine unerfüllbaren Erwartungen wecken
Aufgrund der Tatsache, dass – so Hebing – in Bocholt drei Kinderärzte über 60 Jahre alt sind und händeringend Nachfolger suchen, sollten „wir in Isselburg realistisch bleiben und keine unerfüllbaren Erwartungen wecken.“ Rebecca Kramer (FDP) bemerkte dazu, dass sich der Antrag auch auf sogenannte Neben- oder Satellitenärzte bezieht, die im Bedarfsfall ein Rezept oder eine Krankschreibung ausstellen können. „Die machen das per Telefon, da muss ich nicht unbedingt in eine Praxis“, argumentierte Kramer.
Beschluss erfolgte einstimmig
Thomas Bertram (CDU), der zu Beginn der Diskussion betonte, den Antrag der FDP zu unterstützen, beantragte die sofortige Abstimmung über den FDP-Antrag mit dem Zusatz, die Förderrichtlinien auf Fachärzte zu erweitern. Der Beschluss war einstimmig.
