Der Anholter Alfred Herrmann hat wahrlich viel erlebt. Privat, beruflich und sportlich. Letzteres soll hier Thema sein. Es geht darum, dass der jetzt 77-Jährige seine 50-jährige Tätigkeit als Fußball-Schiedsrichter beendet hat.

Nur die Fußballerfigur und zwei Trillerpfeifen
Seit dem 1. Januar ist Alfred Herrmann im sportlichen Ruhestand. Hinter ihm liegt ein halbes Jahrhundert zwischen zwei Trillerpfeifen. Eine kleine Fußballfigur ziert seine erste und seine letzte Trillerpfeife. Viel mehr ist ihm an Erinnerungen nicht geblieben. Bei einem Wohnungsbrand vor einigen Jahren sind alle Erinnerungen, wie Fotos, Zeitungsausschnitte und andere Erinnerungsstücke vernichtet worden. Vieles lebt aber in seiner Erinnerung weiter. Da ist es nur normal, dass es ganz viele Geschichten gibt, die zum Nachdenken anregen, aber, wie er selbst erzählt, im Nachhinein auch zum Schmunzeln sind. Aber wie ist er eigentlich zur Schiedsrichterei gekommen?
Vom Fußballer zum Schiedsrichter
Als Jugendlicher hat er beim SuS Isselburg Fußball gespielt. Die Einberufung zur Bundeswehr bedeutete das Ende seiner aktiven Zeit. In dieser Zeit hat Alfred Hermann geheiratet und wurde Vater. Nach der Militärzeit stand in erster Linie die Familie im Fokus. Fußballspielen wollte er deshalb nicht mehr. „So Sonntagsmittag weg und abends nach ein paar Bierchen erst wiederkommen, sowie die Trainingsabende, dass war mit der Familie nicht vereinbar“, erzählte Herrmann. Der 2022 verstorbene langjährige Vorsitzende des SuS Isselburg, Wilfried Loskamp schlug ihm deshalb vor, Schiedsrichter zu werden.
Als Schiedsrichter Suderwicker geblieben

Der zeitliche Aufwand sei im Verhältnis zum aktiven Fußballspielen deutlich geringer. „So kam ich zur Pfeife“, meinte Alfred Herrmann mit einen Lachen. Als Schiedsrichter war er zunächst für seinen Isselburger Verein tätig. Später, als die Familie Herrmann aus beruflichen Gründen nach Suderwick zog, meldete er sich beim GSV Viktoria Suderwick an. Auch wenn er mit seiner Frau schon viele Jahre in Anholt wohnt, so ist er als Schiedsrichter immer Suderwicker geblieben. „Die Menschen dort haben uns nach dem Brand so sehr geholfen, da wollte ich mich nicht einfach so davon machen“, erzählte Alfred Herrmann.
Der Schiri vom Land
Wie der nun sportliche Pensionär betonte, gibt es im hiesigen Umfeld bis hin ins Ruhrgebiet kaum einen Fußballplatz, auf dem er noch kein Spiel geleitet hat. Von der damaligen zweiten Kreisklasse (jetzt Kreisliga C) bis hin zur zur Bezirksliga durfte Herrmann Spiele leiten. Vor allem die Spiele im Ruhrgebiet haben immer Spaß gemacht. „Ach, da kommt wieder der Schiri vom Land“, wurde er dort oftmals begrüßt. Man kannte sich ja mittlerweile. „Da ging es nach dem Spiel meist immer sehr gastfreundlich zu“, konnte Alfred Herrmann berichten. Was bedeutete, dass es immer etwas zu essen und zu trinken gab.
Erst Schiedsrichter, dann Nikolaus
Zudem konnte er sich an ein besonders schönes Erlebnis nach einem Spiel im Ruhrgebiet erinnern. „Die haben mich gefragt, ob ich für die Jugendabteilung den Nikolaus machen möchte, weil die Kinder und Jugendlichen die eigenen Betreuer schon an der Stimme erkennen würden. „Das hab ich natürlich gemacht und das war ein großer Spaß“, erzählte Alfred Herrmann.
Internationales Spiel
Es gab natürlich auch viele sportliche Höhepunkte in der Schiedsrichterkarriere von Alfred Herrmann. Dazu gehört ein Spiel der Schalker Eurofighter gegen eine Traditionsmannschaft des BVB auf der Anlage von Olympia Bocholt. Auch die Einweihung der Rasenplätze in Rees am 6. August 1989 war ein Termin, der im Gedächtnis von Alfred Herrmann bleibt. „Da spielten die Profis von Schalke 04 gegen NEC Nimwegen, der in der ersten niederländischen Liga spielte.“ Nicht so schön waren nach seiner Darstellung drei Spiele, die aufgrund von Tumulten von ihm als Schiedsrichter abgebrochen wurden.
Besuch bei Verwandten
Lachen muss Alfred Herrmann heute noch über ein Einsatz 1999 in einem Spiel in Belgien. Bei einem Familienbesuch im belgischen Maasmechelen stand auch der Besuch eines Spiels einer unteren Klasse an. „Dürfte so in etwa wie Kreisliga A oder B gewesen sein“, erzählt Herrmann. Das Beste an der Geschichte aber war, dass der eingesetzte Schiedsrichter aufgrund eines Autounfalls zum Spiel nicht erscheinen konnte.
Auslandseinsatz mit zu großen Schuhen
„Wir haben hier einen ganz neutralen Schiedsrichter aus Deutschland“, erklärten seine Familienmitglieder den Verantwortlichen des Heimvereins. So kam Alfred Herrmann zu seinem einzigen Auslandseinsatz. „Schwarze Hose, rotes Hemd, Stutzen, ein paar Schuhe, die eine Nummer zu groß waren, sowie gelbe und rote Karten und die Pfeife, die hatten für mich alles, was ich brauchte“, erzählte Herrmann, der so auch einen Einsatz im internationalen Bereich in seiner Vita hat. „Ich weiß noch, dass ich ein paar gelbe Karten verteilt habe, aber wie das Spiel ausgegangen ist, hab ich vergessen“, erzählt Alfred Herrmann lachend.
