Die Isselburger Kevelaerpilger stehen quasi in den Startlöchern. Vom 13. bis 14. September findet in diesem Jahr die Gemeindewallfahrt nach Kevelaer statt. Es ist die 75. nach dem zweiten Weltkrieg. Grund genug, um einmal in die Geschichte der Isselburger Wallfahrer zu blicken.

Gerlind Zallmanzig und Michael Hackfort
Gerlind Zallmanzig und Michael Hackfort freuen sich schon auf die Wallfahrt nach Kevelaer (©Frithjof Nowakewitz)

Dabei ist es freilich nicht einfach, alte Unterlagen zu finden, die über Jahreszahlen und Begebenheiten Auskunft geben. Dank Michael Hackfort – einer der Organisatoren – gibt es aber nun doch eine relativ umfangreiche Dokumentation der letzten Jahrzehnte.

Plakette aus 1835

Verbrieft ist, dass es am 24. Mai 1915 eine Wallfahrt des „Katholischen Jünglingsverein Isselburg“ nach Kevelaer gab. Ob es schon frühere Wallfahrten gab, ist nicht bekannt. Überliefert ist allerdings, dass im Jahre 1900 während einer Wallfahrt eine Pilgerin aus Isselburg von einem Fahrzeug angefahren wurde und dabei tödliche Verletzungen erlitt. Da es die Wallfahrt schon seit ca. 400 Jahre gibt, ist anzunehmen, dass Isselburger schon im 18. Und 19. Jahrhundert nach Kevelaer pilgerten. Es existieren jedoch keine Unterlagen darüber. Allerdings ist 1998 bei einer Aufräumaktion in der Kerzenkapelle in Kevelaer eine Plakette gefunden worden, die die Inschrift „Isselburg-Niederrhein“ und die Jahreszahl 1835 trägt. Es wird sich also in dem Jahr wohl um eine Fußwallfahrt gehandelt haben.

Aus Dankbarkeit

Die erste Wallfahrt nach dem zweiten Weltkrieg fand 1950 statt. Daran beteiligten sich insgesamt neun Männer. Es hieß damals, dass sich die Männer aus Dankbarkeit, den Krieg überlebt zu haben, auf den Weg nach Kevelaer machten. Der Weg von Isselburg zum Wallfahrtsort Kevelaer bestand fast immer aus einer festen Route. Von Isselburg ging es über Empel nach Rees. Dort wurde mit der Fähre der Rhein überquert. Weiter ging es über Marienbaum und Uedem nach Kevelaer. Auch gab es eine Wallfahrtsordnung, in der der genaue Ablauf des Weges und des Aufenthaltes in Kevelaer beschrieben wurde. Die Teilnehmerzahl variierte von Jahr zu Jahr. Hin und wieder waren es gerade mal zehn, in anderen Jahren beteiligten sich bis zu 50 Pilger an der Wallfahrt. Im vergangenen Jahr nahmen insgesamt 94 Fußpilger und -pilgerinnen an der Wallfahrt teil. Zudem hatten sich auch 20 Rad- und Autopilger auf den Weg nach Kevelaer gemacht.

Für bescheuert erklärt

Mit Beginn der 1980er-Jahre führte Therese Welling jährlich eine Art Protokoll von den Pilgerfahrten. Daraus gehen oftmals auch ganz humorige Begebenheiten hervor. So hatte der dafür zuständige Mann vergessen, in Kevelaer die erforderlichen Quartiere zu buchen. Daher sind die Pilger nach dem Gebet des Kreuzweges zurück nach Isselburg gefahren, um am nächsten Morgen schon um 7 Uhr per Auto nach Kevelaer zurückzukehren. Von dort ist man dann am Sonntag zurückgelaufen. „Das haben wir aber niemandem erzählt, denn wahrscheinlich hätte man uns für bescheuert erklärt“, heißt es in dem Protokoll des Jahres 1982. Wie es heißt, haben auch verschiede Wetterkapriolen schon oftmals eine Rolle gespielt. So ist es vorgekommen, dass die Fähre in Rees wegen starken Nebels erst mit ganz viel Verspätung die Pilger auf die andere Rheinseite brachte.

„Pilgervater“ Hermann Kamps

Hermann und Christa Kamps
Hermann und Christa Kamps (Bildmitte) begrüßen 2021 die Kevelaer-Rückkehrer (Archivbild: Frithjof Nowakewitz)

Im Jahre 2001 nahm die damals 79-jährige Therese Welling letztmals an der Pilgerfahrt teil. Einen emotionalen Abschied, so Michael Hackfort, gab es 2011, als der sogenannte „Pilgervater“ verabschiedet wurde. Hermann Kamps hatte da zum 55. Mal an der Pilgerfahrt teilgenommen. „Mehr als 30 Jahre hat Hermann die Fußwallfahrt gemeinsam mit seiner Frau Christa und Angela Zimmermann organisiert und so das Fortbestehen der Wallfahrt ermöglicht“, erklärte Hackfort.

1999 die 50. Wallfahrt

Im Jahr 1999 feierten die Pilger ihre 50. Wallfahrt nach Kriegsende gemeinsam mit Weihbischof Dr. Werner Thissen. Seit 2014, dem Jahr nach der Kirchenfusion, laufen die Pilger unter dem neuen Namen der „Pfarrei St. Franziskus“ nach Kevelaer. Daran beteiligen sich auch die Auto-, Bus- und Radpilger.

Viele junge Leute machen mit

Die diesjährige Pilgerfahrt steht unter dem Motto „Pilger der Hoffnung“. Wie die Organisatoren Michael Hackfort und Gerlind Zallmanzig erzählen, haben sich 95 Personen für die Pilgerfahrt angemeldet. „Wir freuen uns besonders, dass sich immer mehr junge Leute, auch aus den umliegenden Kommunen, an der Pilgerfahrt beteiligen,“, meinte Gerlind Zallmanzig.

Ablauf 2025

Am Freitag, 12.9. kann um 18:30 Uhr das Gepäck im Pfarrheim abgegeben werden. Um 3:35 Uhr kann dann am Samstag, 13.9. das Tagesgepäck abgegeben werden und es erfolgt der Reisesegen. Start ist um 4 Uhr. Die Radpilger starten um 9 Uhr. Für 14 Uhr ist der gemeinsame Einzug in Kevelaer vorgesehen. Es folgen um 15 Uhr der Große Kreuzweg und um 17 Uhr die Pilgermesse in der Beichtkapelle. Die Rückfahrt der Bus- und Radpilger, sowie der Fußpilger, die mit einem Pkw nach Isselburg fahren, ist für 20 Uhr vorgesehen. Am Sonntag, 14.9. findet um 8:55 Uhr der Abschied „Gnadenbild“ statt. Die Ankunft der Pilger in Pilger in Isselburg ist für ca. 19:30 Uhr geplant.