Fahr- und Botendienst Schmidt
Jessica Schmidt-Köpke und ihr Mann Michael gründeten einen Fahr- und Botendienst (©Frithjof Nowakewitz)

Als Michael Schmidt aus Isselburg mit 45 Jahren im März 2023 die Diagnose „Multiple Sklerose“ erhielt, schien die ganze Lebensplanung aus den Fugen zu geraten. Seine Arbeit musste er aufgeben. Auch vom Auto- und Motorradfahren wurde ihm abgeraten. Langatmige Behörden- und Versicherungsangelegenheiten nervten zusätzlich. Die Diagnose und die daraus entstandenen Beeinträchtigungen machten auch seiner Frau Jessica Schmidt-Köpke und seinen drei Töchtern zu schaffen. Jetzt hat er ein neues berufliches Ziel, dass er gemeinsam mit seiner Frau ganz intensiv angeht.

„Warum machen wir das eigentlich nicht selbst“

„Ende März, Anfang April in diesem Jahr kam die Idee auf, einen Fahr- und Botendienst zu gründen“, erzählte Michael Schmidt. Die Initialzündung dazu war vorher die stundenweise Tätigkeit als Kurierfahrer für ein Unternehmen aus Heiden. „Warum machen wir das eigentlich nicht selbst“, fragten sich die beiden dann.

Ungeduldiger Mensch

Das war dann der Zeitpunkt, richtig durchzustarten. Allerdings geht so was nicht ohne behördliche Genehmigung. „Ich bin ein ziemlich ungeduldiger Mensch“, erklärte Michael Schmidt und begründete damit den Willen, schnellstmöglich auch Personenfahrten möglich zu machen. „Wir nahmen Kontakt zu den zuständigen Personen im Kreis Borken und zu den Krankenkassen auf und füllten die erforderlichen Formulare umgehend aus.“ Auch der Personenbeförderungsschein wurde beantragt. Den haben jetzt Michael, als auch seine Frau. Somit können beide Personenfahrten durchführen.

Fahrtauglicher Nachweis

„Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Institutionen hat hervorragend geklappt, da muss ich wirklich ein dickes Lob aussprechen“, meinte der 47-Jährige. Am 15. Juni kam der Rahmenvertrag von den Krankenkassen. Somit sind ärztlich verordnete Fahrten auch über die Krankenkassen abrechenbar. Ein wichtiger Faktor war für Michael Schmidt der Nachweis dafür, dass er trotz der Krankheit Auto fahren kann. „Dazu hab ich extra nochmal einige Fahrstunden genommen und mir vom Fahrlehrer die absolute Fahrtauglichkeit bestätigen lassen. Das war mir selbst sehr wichtig“, betonte der Isselburger.

Und Michael und Jessica haben auch an den Umweltgedanken gedacht. „Für uns kommt nur elektrisches Fahren in Frage“, betonten beide. Das für die Personenfahrten notwendige E-Auto war schon vorhanden, als an das Vorhaben noch nicht gedacht wurde. Daher sind Fahrten, bei denen auch Rollstühle mitgenommen werden müssen, kein Problem.

Optimismus hat depressive Phase verdrängt

Michael Schmidt
Der Rollator steht im Keller. Aktuell benötigt Michael Schmidt nur den Stock als Unterstützung (©Frithjof Nowakewitz)

Was hat sich jetzt – abgesehen von der neuen Betätigung – geändert? Nach dem doch sehr intensiven Stimmungstief nach der Diagnose über Wochen und Monate hat sich vieles zum Positiven geändert, betonen Michael und seine Frau. „Und das nicht nur bei der Psyche, sondern auch körperlich.“ Im Keller stehen Rollator und Rollstuhl – beides kam in der Vergangenheit oft zum Einsatz. „Es hat keine neuen Schübe gegeben, jetzt reicht mir zum Gehen der Stock“, betont der 47-Jährige.

Deutlich wird, dass Michael und seine Frau Jessica nicht mehr die große Angst vor der Zukunft haben, sondern eine gehörige Portion Optimismus ausstrahlen. „Wir haben jetzt wieder die Chance auf ein einigermaßen normales Leben, auch wenn MS nicht heilbar ist“, betonen die beiden. Den Willen der beiden, sich nicht dem Schicksal zu ergeben, die für sich beste Lösung zu suchen und dies dann auch mit aller Kraft umzusetzen nötigt Respekt ab.

Der Fahr- und Botendienst Isselburg ist unter Telefon 017634208827 oder per Mail unter „fahrdienst-isselburg.gmail.com“ zu erreichen. Infos gibt es auch auf der Website www.fahrdienst-isselburg.de