
Einen Großteil der Geschichte des Isselburger Blasorchester hat Hans Biermann nicht nur erlebt, sondern auch gelebt. Mit dessen Wissen und dem umfangreichen Archiv, dass in den Räumen der Isselburger Sparkasse lagert, hat Wolfgang Welling in mehr als 1.300 Arbeitsstunden eine Chronik erstellt, die die Geschichte des Orchesters und das musikalische Leben der handelnden Personen widerspiegelt.
Modisto war der Name für Tanzmusik

Man konnte 1894 noch nicht von einem Orchester sprechen. Trotzdem wurde dort der Grundstein für das heutige Orchester gelegt. Damals bildeten sich immer wieder Musikgruppen, die sporadisch bei besonderen Anlässen aufspielten. Nach dem ersten Weltkrieg bildete sich eine dann eine Gruppe fester Musiker. Die Zeit des zweiten Weltkrieges brachte das Ganze dann wieder mehr oder minder zum Erliegen. Der Gedanke daran war allerdings nicht verschwunden. Es bildeten sich die „Modistos“, die sich auf moderne Tanzmusik spezialisiert hatten und weit über die Stadtgrenzen hinweg auf keinem Schützenfest fehlen durften.

Drei Entscheidungen mit Weiblick
„Es gab drei richtungsweisende Weichenstellungen“, erklärte Wolfgang Welling. Mehrere junge Musiker, die Wolfgang Welling und Hans Biermann scherzhaft als Rebellen bezeichneten, verfassten 1957 eine Resolution, die heute noch im Original erhalten und in der Chronik nachzulesen ist . Zu den Aufmüpfigen gehörte auch Hans Biermann. Sie forderten eine klare Organisation, demokratische Verhältnisse und einen ordnungsgemäß gewählten Vorstand. Der zweite wichtige Punkt war die Entscheidung, Hans Biermann zum Leiter des Orchesters zu benennen. Und zum Dritten war die Gründung der Musikschule ein ganz wichtiger Meilenstein für das Orchester, wie man es heute kennt. Letzteres umso mehr, als dadurch Jungen und Mädchen, auch aus Arbeiterfamilien gleichermaßen ein Instrument erlernen konnten.
Orchester für alle Isselburger
Auffällig ist, dass das Isselburger Blasorchester – zumindest nach dem zweiten Weltkrieg – nie ein Orchester war, in dem nur Isselburger spielten. „Besonders schön sei es, dass das Orchester nach der kommunalen Neuordnung immer ein Gesamt-Isselburger Verein war und ist“, meinte der zweite Vorsitzende Tim Heidemann. Den überregionalen, ja sogar internationalen Charakter zeigt auch die Tatsache, dass mit Gerrit Knippenberg, Wolbert Baas und Jaak Notebaert das Orchester drei niederländische Dirigenten hatte.
Bestellungen bis 26. April möglich
Die Chronik umfasst 346 Seiten und enthält neben vielen Dokumenten, Geschichten und Bildern auch rund 180 QR-Codes, hinter denen sich Musik und kleine Filme verstecken. Das gebundene Buch ist über die Website des Orchesters zu erwerben. Bestellende ist der 26. April. „Bis dahin werden alle Bestellungen gesammelt und dann der Anzahl entsprechend in den Druck gegeben“, erzählte Tim Heidemann.
