Otternachwuchs wurde gechippt

„Ein Tierpfleger hat Lulu und Heinz, das Elternpaar eines sechs Wochen jungen Otterkindes, mit Fisch abgelenkt, so dass Tierpflegerin Patty Bijlsma und Tierärztin Dr. Anne Brömmling ungehindert das kleine Tierkind zur ersten medizinischen Untersuchung in die Hände nehmen konnten. Dabei ging es um die Feststellung des Geschlechts und des Gewichtes, sowie um eine Wurmkur. Zudem bekam das Jungtier einen Chip gesetzt.

Neugierig schaut das Otterkind in die Kamera (Bild Frithjof Nowakewitz)

Mädchen oder Junge

Klaglos hat der Otternachwuchs die Untersuchung über sich ergehen lassen. Dr. Anne Brömmling schaute dem Tier zunächst ins Maul und stellte dabei fest, dass die Zähnchen so langsam sichtbar werden. Auch mit der Abheilung des Nabels war die Tierärztin zufrieden. „Hhhmm, lecker“, sagte Brömmling und meinte damit die Wurmkur, wohlwissend, dass das Mittel wohl eher scheußlich schmeckt. Zum Schluss der Untersuchung wurde dann auch die Fragen aller Fragen gelöst: ist es ein Mädchen oder ein Junge? „Es ist ein gesundes Ottermädchen und wiegt etwas über ein Kilogramm“, erklärte die Tierärztin. Nach den obligatorischen Fotos der anwesenden Presse durfte das Jungtier wieder zurück in sein aus Laub bestehenden Nest.

Otterfamilie muss trainieren

Der Otternachwuchs bleibt in etwa ein Jahr in der Anholter Schweiz, bevor er in einen anderen Tierpark abgegeben wird. „Es gibt schon einige Anfragen anderer Tierparks“, erklärt Monika Westerhoff-Boland. Das gilt übrigens auch für das Elternpaar mit ihrem Nachwuchs im zweiten Ottergehege. Da scheint die Situation allerdings ein wenig komplizierter zu sein. „Wir haben nicht gemerkt, dass das weibliche Tier tragend ist“, meint Dr. Anne Brömmling. Da das Jungtier nun ein wenig älter und mit den Eltern schon im Wasser ist, wird es schwierig, den Nachwuchsotter einzufangen. „Wir wollen da auch nicht anfangen zu jagen, dass würde keinen Sinn machen“, meint die Tierärztin. Pflegerin Patty Bijlsma zufolge wird das Elternpaar jetzt mit ihrem Nachwuchs darauf trainiert, in das Otterhaus zu kommen, wo das Jungtier dann deutlich einfacher einzufangen ist.

Tierärztin Dr. Anne Brömmling (links) und Tierpflegerin Patty Bijlsma bei der Untersuchung des Ottermädchens (Bild: Frithjof Nowakewitz)

Wildtiere sollen nicht verniedlicht werden

„Normalerweise bekommen bei uns Tiere keine Namen“, erklärt die Betreiberin des Anholter Wildparks, Monika Westerhoff-Boland. Grund ist, so Westerhoff-Boland, dass die Tiere nicht verniedlicht und vermenschlicht werden sollen. Die Eltern des kleinen Otternachwuchses heißen Lulu und Heinz, haben die Namen aber schon im vorherigen Tierpark bekommen. „Die haben wir dann übernommen“.

Dr. Anne Brömmling zufolge haben Otter eine Lebenserwartung von etwa 14 Jahre, die Tragezeit des Muttertiers beträgt ca. 60 Tage. Ähnlich, wie bei den Luchsen, gibt es auch für Otter Auswilderungsprogramme, wie etwa in den Niederlanden. Dort leben jetzt wieder rund 400 Otter, nachdem das Tier Ende der 1980er Jahre ausgestorben war.

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