Ein Stück Isselburger Sportgeschichte geht zu Ende

Eine hiesige Tageszeitung hat einmal eine Titelzeile produziert, die Jahre, ja vielleicht Jahrzehnte den Nagel auf den Kopf getroffen hat. „Das Osterturnier – Ein Mekka für Tischtennisspieler“. In diesem Jahr findet das Turnier des SuS Isselburg zum 50. Mal statt. Allerdings ist es auch das letzte Osterturnier, dass der SuS ausrichtet. Damit geht auch ein Stück Isselburger Sportgeschichte zu Ende.

Ostern 1952 wagte sich der SuS erstmals an die Durchführung eines Turniers, auch wenn es noch nicht den offiziellen Titel „Osterturnier“ trug. Doch liegt eigentlich da die Wiege der Osterturniere. Als Spielort diente damals der Saal der Gastwirtschaft Nienhaus. Allerdings schlief die Veranstaltung nach drei Jahre auch wieder ein.

Die Gaststätte Nienhaus spielte damals auch noch eine ganz andere Rolle. Auf der Rückseite der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Abteilung hieß es 1998: Niemand weiß, wer ihn geprägt hat, den festen Begriff des Abfahrttreffpunkts „Ecke Nienhaus“. Ob mit dem Fahrrad, per Bus oder Auto, zu Auswärtsspielen und Turnieren, die Abfahrtszeiten differierten, aber immer hieß es „Abfahrt Ecke Nienhaus“. Dieser Ausspruch ist noch heute vielen Isselburgern bekannt.

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Damals musste noch die gute alte Schreibmaschine herhalten, um die Ausschreibung für das Osterturnier 1969 zu schreiben.

1968 feierte die Tischtennisabteilung des SuS Isselburg ihr 20-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums erinnerte man sich an das Turnier zu Ostern und der Vorstand um den Vorsitzenden Heinz Neulinger riefen die Veranstaltung wieder ins Leben. Das war der Startschuss zu 50 Jahre gelebtem Sport. Was 1968 mit 115 Teilnehmern begann, erreichte 1985 mit 520 männlichen und weiblichen Teilnehmern seinen Höhepunkt. Gespielt wurde da in der Halle an der Hauptschule. Das Turnier hatte fortan seinen festen Platz im Kalender des Tischtenniskreis Wesel und der dort aktiven Spieler. Später dehnte sich das Feld sogar auf den gesamten Westdeutschen Tischtennisverband aus. Die Spieler reisten aus Rees, Wesel, Rhede, Dinslaken und Bocholt ebenso an, wie aus Düsseldorf, Köln, dem Sauerland und aus Ostwestfalen. Und das ist umso bemerkenswerter, als das es in Isselburg nicht einen Pfennig, bzw. später keinen Cent zu gewinnen gab. Medaillen und Urkunden waren die einzigen Siegestrophäen, die die Gewinner mitnehmen konnten. Dies ist bis heute so geblieben.

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Mit Jörg Pithan und Frank Hakvoort erinnern sich Zwei, die erst als aktive Spieler und dann als Organisatoren dabei waren. „Ich habe von 50 Turnieren an 44 teilgenommen“, erinnert sich Jörg Pithan und bezeichnete es quasi als Todsünde, das Turnier, aus welchem Grund auch immer, zu schwänzen. Warum aber hatte das Turnier in Isselburg solch eine enorme Anziehungskraft für die auswärtigen Teilnehmer? Frank Hakvoort begründete es mit dem besonderen Spielmodus, der verhinderte, dass Spieler eines Vereins schon frühzeitig aufeinander trafen. Außerdem, so Hakvoort, war es wohl das besondere und freundschaftliche Flair des Turniers. Alles ging sehr familiär zu. Viele Spieler brachten ihre Frauen und Kinder mit.

Viele lustige und manchmal auch nicht so lustige Sachen begleiteten die Organisatoren in dieser Zeit. „Einmal waren wir zu einem Auswärtsspiel in Voerde. Für einen von uns war es anschließend ziemlich schwierig, den Rückweg nach Isselburg zu finden“, erklärte Jörg Pithan und konnte sich dabei das Lachen nicht verkneifen. Aber es wurde auch kräftig gearbeitet. So mussten die Tischtennisplatten früher von der kleinen Halle an der Grundschule, in der der SuS seine Heimspiele austrägt, zu Fuß bis zur großen Halle an der Hauptschule gerollt werden. Lustig fanden das die Betroffenen nicht. Aber es gehörte dazu.

Die Gründe für das jetzige Aus sind vielschichtig „Ostern ist mittlerweile eine Zeit, in der viele Leute verreisen und eben nicht mehr an einem Tischtennisturnier teilnehmen“, erklärt Jörg Pithan. Für Frank Hakvoort ist vor allem der demografische Wandel der Grund für die stark sinkenden Teilnehmerzahlen der letzten Jahre. Im letzten Jahr waren es gerade mal 194 Teilnehmer aus dem Raum des Westdeutschen Tischtennisverband. Das war für Frank Hakvoort der Grund, nach dem 50. Turnier in diesem Jahr Schluss zu machen. „Irgendwann muss man erkennen, dass so eine Sache ausläuft“.

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In diesem Jahr wird es, auch aufgrund der geringen Teilnahme im letzten Jahr, keine Jugendwettbewerbe geben. Stattdessen wird ein ganz ungezwungenes Turnier mit „Ehemaligen“ stattfinden. Frühere Teilnehmer, die längst nicht mehr aktiv sind, jedoch in früheren Jahren immer eine feste Größe in dem Turnier waren, wurden eingeladen, sich noch mal zum allerletzten Osterturnier zu treffen. Dann geht es nicht um Urkunden oder Ranglistenpunkte, sondern einfach nur noch um den Spaß. Anschließend soll kräftig gefeiert werden. Dabei werden sicherlich auch viele Anekdoten und Erinnerungen ausgetauscht.

Frank Hakvoort befürchtet schon im Vorfeld, dass es ein Abschied mit viel Emotionen sein wird. Schließlich stirbt Ostern 2017 nach fünfzig Jahre ein weiteres Stück Isselburger Sportgeschichte. „Da fließt bestimmt die einen oder andere Träne“.

Das Titelbild zeigt Frank Hakvoort (links) und Jörg Pithan. Beide können sich noch heute über die eine oder andere lustige Begebenheit freuen.

Fotos: Frithjof Nowakewitz

 

Turniertage:

  1. April – ab 13:00 Uhr und 17. April – ab11:00 Uhr

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